Das Werk des „Jahrhundertkerls“, wie ihn Kurt Tucholsky einmal nannte, fasziniert seit Jahrhunderten bedeutende Künstler*innen und Geistesgrößen. Zu seiner prominenten, ebenfalls literaturschaffenden Leserschaft gehören beispielsweise Hans Christian Andersen, Bertolt Brecht, Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn, Theodor Fontane, Stefan Heym, Erich Kästner, Heinrich Mann, Thomas Mann und Friedrich Nietzsche. Wie kein anderer Dichter inspiriert Heine aber auch die Musikwelt. Vor allem das „Buch der Lieder“ dient im 19. und 20. Jahrhundert als Grundlage einer Vielzahl von Gedichtvertonungen. Johannes Brahms, Franz Liszt, Felix Mendelssohn Bartholdy, Giacomo Meyerbeer, Franz Schubert, Clara und Robert Schumann, Richard Wagner und viele andere Musiker*innen machen Heine zum meistvertonten deutschsprachigen Autor. Annähernd 10.000 Heine-Lieder künden von einer bis heute nicht versiegenden Inspirationsquelle.

Heine wird als demokratisch gesinnter, jüdischer Autor bereits zu Lebzeiten durch deutschnationale, rechtskonservative Kräfte angefeindet. In der Zeit des Nationalsozialismus soll sein Name dann sogar aus der deutschen Kulturgeschichte getilgt werden. Für viele künstlerisch tätige Menschen, die nach 1933 im nationalsozialistischen Regime verfolgt werden und ins Exil gehen müssen, ist Heine unvermindert ein Vorbild oder sogar eine Art „Schicksalsgefährte“. Bekannte Exil-Schriftsteller*innen wie Mascha Kaléko, Klaus Mann oder Anna Seghers berufen sich auf Heine und seine kosmopolitischen und humanistischen Ideale. Im geteilten Nachkriegsdeutschland setzt – unter unterschiedlichen Vorzeichen – eine Wiederentdeckung Heinrich Heines ein. Persönlichkeiten aus Literatur, Kunst und dem öffentlichen Leben nehmen sein Werk zum Anlass, die politische Situation in Ost und West zu reflektieren. Die künstlerische Auseinandersetzung mit Heinrich Heine, seiner Gedankenwelt und seinem aus heutiger Sicht hochaktuellen Werk setzt sich auch im 21. Jahrhundert fort.

„Der echte Dichter gibt nicht die Geschichte seiner eigenen Zeit, sondern aller Zeiten, und darum ist ein echtes Gedicht auch immer der Spiegel jeder Gegenwart.“ (Heinrich Heine)