In „Ideen. Das Buch Le Grand“ und in dem erst nach seinem Tode veröffentlichten „Memoiren“-Fragment zeichnet Heine ein eindrückliches Bild seiner Kindheit. Harry Heine, den Vornamen „Heinrich“ nimmt er erst bei seiner Taufe im Jahr 1825 an, wächst gemeinsam mit seinen drei jüngeren Geschwistern Charlotte, Gustav und Maximilian in Düsseldorf auf. Alle Kinder der jüdischen Familie Heine besuchen das humanistische Gymnasium („Lyzeum“) im ehemaligen Franziskanerkloster. Das dies überhaupt möglich ist, liegt an der Zugehörigkeit Düsseldorfs zum französischen Kaiserreich, die zwischen 1806 und 1813 besteht. Im Jahr 1809 wird in Düsseldorf entsprechend der „Code Civil“ eingeführt, das französische Gesetzbuch, das der jüdischen Minderheit eine rechtliche Gleichstellung ermöglicht. Trotz der liberalen, aus der Französischen Revolution resultierenden Neuerungen erfährt Harry Heine in seiner Schulzeit Diskriminierung und antisemitische Schmähungen. Dennoch prägen sich dem Heranwachsenden die früh vermittelten Ideale „Liberté, Egalité, Fraternité“ („Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“) ein und bilden fortan das Zentrum seines humanistischen Weltbildes. Folgerichtig nennt er sich auch Jahrzehnte später als anerkannter Schriftsteller noch den „Sohn der Revolution“. 1811 besucht der französische Kaiser Napoleon I., der für Heine die Errungenschaften der Revolution repräsentiert, Düsseldorf. Der Einzug des Kaisers gehört zweifellos zu den eindrücklichsten Erlebnissen in Heines Jugend. Bereits im Sommer 1816 verlässt er Düsseldorf und kehrt nur für zwei Besuche in den Jahren 1819 und 1820 in die Heimatstadt zurück. Dennoch trägt er die rheinische Stadt auch fortan im Herzen.
Heute erinnern nach Heine benannte Orte und Institutionen an den weltbekannten Dichter: Heinrich-Heine-Allee, Heinrich-Heine-Institut, Heine-Haus, Heinrich-Heine-Universität, um einige zu nennen. Der Weg dahin war allerdings ausgesprochen steinig. Mit Beginn des Nationalsozialismus nimmt die öffentliche Heine-Rezeption in Deutschland zunächst ein jähes Ende. Das Andenken an Heine wird beschädigt und seine Person verfemt. Das Werk des jüdischen, demokratischen Schriftstellers soll gemäß der nationalsozialistischen Ideologie aus der deutschen Kulturgeschichte verbannt werden. Entsprechend dauert auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Jahrzehnte, bis eine Wiederentdeckung seines Werks Früchte trägt und eine öffentliche, angemessene Würdigung des Jahrhundertschriftstellers Heine einsetzt, was auch für dessen Heimatstadt Düsseldorf gilt. Nach langen Querelen wird der hiesigen Hochschule erst 1988 der offizielle Name Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf verliehen. Ebenso unrühmlich ist die Geschichte der Heine-Denkmäler in Deutschland. Auch in Düsseldorf wird erst 1981 mit dem von Bert Gerresheim geschaffenen Monument auf dem Schwanenmarkt ein großes, offizielles Heine-Denkmal errichtet und der Öffentlichkeit präsentiert, am 125. Todestag des Dichters.
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